{"id":23,"date":"2019-02-07T20:05:20","date_gmt":"2019-02-07T20:05:20","guid":{"rendered":"http:\/\/franknordhausen.com\/?page_id=23"},"modified":"2020-10-08T18:27:02","modified_gmt":"2020-10-08T18:27:02","slug":"gruss-vom-bosporus","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/franknordhausen.com\/?page_id=23","title":{"rendered":"Blog"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><span class=\"has-inline-color has-vivid-purple-color\">Gru\u00df aus der Levante. Notizen aus dem \u00f6stlichen Mittelmeerraum<\/span><\/h5>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><em>An dieser Stelle setze ich mein Blog &#8222;Gru\u00df vom Bosporus&#8220; fort, das ich sieben Jahre lang aus Istanbul gef\u00fchrt habe.<\/em> <\/h2>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"has-luminous-vivid-orange-color has-text-color wp-block-heading\"><strong>R\u00fcckkehr nach Zypern<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Von Frank Nordhausen, Mitte Juli 2020<\/p>\n\n\n\n<p>Airport Larnaka auf Zypern: Als zwei Zubringerbusse uns an einem unscheinbar grauen Geb\u00e4ude abliefern, werden wir von W\u00e4rmebildkameras gescannt, deren Ergebnis Maskenm\u00e4nner pr\u00fcfen, die auf Monitore starren. Dann erwarten uns zehn Frauen und M\u00e4nner mit Maske, Plastikvisier und blauer Schutzkleidung. \u201eCovid-19 Test\u201c steht auf einem Plakat. Noch benommen vom Dreistundenflug reihen sich die Flugg\u00e4ste in dem engen Raum auf, der das Einhalten der Abstandsregeln unm\u00f6glich macht. Einer sagt sarkastisch \u201eIst ja wie Abenteuerurlaub\u201c, dann schweigen alle und r\u00fccken gehorsam vor. Geben die ausgef\u00fcllten Corona-Formulare ab, lassen sich ein St\u00e4bchen tief in die Nase fahren, bis es richtig weh tut. Den Ferienbeginn haben sie sich wohl anders vorgestellt, denke ich mir.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich ist es kein Urlaubsflug. Als Auslandskorrespondent bin ich Vielflieger. Ich muss diese Maschinen benutzen, und meistens hasse ich sie und mich daf\u00fcr. Sie schaden der Umwelt. Sie sind eng, unbequem, voll mit anderen Leuten, und bevor es losgeht, gibt man viel Geld f\u00fcr teuren Kaffee aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Corona bescherte mir eine willkommene Flugpause. Das letzte Flugzeug hatte ich Ende Februar betreten, als ich nach Berlin reiste, um meine hochbetagte Mutter zu sehen. Aber was dann passierte, war mir zuerst auch wieder nicht recht. Denn pl\u00f6tzlich war mir der R\u00fcckweg versperrt und meine Welt so eng wie nicht einmal fr\u00fcher in West-Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kein Flug nach Zypern<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Republik Zypern hatte Anfang M\u00e4rz von heute auf morgen ihre Flugh\u00e4fen f\u00fcr praktisch alle internationalen Fl\u00fcge geschlossen. Auch die t\u00fcrkische Republik Nordzypern hatte den gesamten Reiseverkehr eingestellt. Zypern war abgeschottet von der Welt, und zwar fast vier Monate lang. Doch was sich als hochwirksame Strategie gegen die Corona-Pandemie erweisen sollte \u2013 die gesamte Insel hat bisher nur rund 1300 Infizierte und 24 Tote zu verzeichnen -, war ein Desaster f\u00fcr alle Auslandszyprioten und Dauerresidenten wie mich, die zu diesem Zeitpunkt au\u00dfer Landes weilten.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht h\u00e4tte ich es sogar noch geschafft, den letzten Zypern-Flieger zu erreichen, wenn meine Gallenblase nicht verr\u00fcckt gespielt h\u00e4tte. Die Schmerzen wurden so schlimm, dass ich den Notarzt rufen musste. Es war f\u00fcnf Uhr morgens in den Anfangstagen der Pandemie. Vier Mann in Schutzkleidung bewegten sich behutsam durch die Wohngemeinschaft im Berliner Bezirk Pankow, in der ich untergekommen war. Sie spulten ihre Routinen ab und legten mir eine Maske an, aber man sp\u00fcrte: Alle waren extrem vorsichtig. Und das zu Recht. K\u00fcrzlich erkl\u00e4rte die Weltgesundheitsorganisation WHO, dass mindestens zehn Prozent aller Infizierten weltweit zum medizinischen Personal geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Notaufnahme des Krankenhauses herrschte Hochbetrieb. Viele Leute, die annahmen, sie h\u00e4tten sich infiziert, suchten Hilfe. Einer rief, er habe zwei Herzinfarkte \u00fcberlebt: \u201eIck wer\u2018 jetze nich an Corona ster\u2018m!\u201c Um mich herum wurde um die Wette gehustet. Nach sieben Stunden kam ein Arzt, dr\u00fcckte auf meinen Bauch und lie\u00df mich sofort zur Operation einweisen. Auf der Abteilung f\u00fcr Inneres wurden Zimmer f\u00fcr Intensivpatienten vorbereitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Entlassung aus der Klinik stand fest: Ich war in Berlin gestrandet \u2013 und beschloss, meine Heimatstadt neu zu entdecken, zehn Jahre nach Abreise in den Nahen Osten. W\u00e4hrend mir Freunde aus Zypern am Telefon vom extrem harten Lockdown mit n\u00e4chtlicher Ausgangssperre erz\u00e4hlten, der Ausg\u00e4nge nur zum Arzt, Supermarkt oder zur Apotheke mit vorheriger Anmeldung per SMS erlaubte und bei Nichtbefolgung mit hohen Geldstrafen geahndet wurde, konnte man in der deutschen Hauptstadt \u00fcberall herumlaufen und im Sp\u00e4tverkauf sogar g\u00fcnstig Bier erwerben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Magisches Corona-Berlin<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich fuhr gern mit der fast v\u00f6llig leeren Berliner S-Bahn. Es f\u00fchlte sich an wie Urlaub. Ich sah fantastische Hinterh\u00f6fe, von deren Existenz ich nichts geahnt hatte, besuchte Kirchen, Parks und Friedh\u00f6fe, die mir unerh\u00f6rt gro\u00df, gr\u00fcn und verwunschen vorkamen, fand in der Dunckerstra\u00dfe sogar eine Gedenktafel f\u00fcr einen verstorbenen Freund. Ich dankte dem Senat f\u00fcr den Beschluss, die Buchl\u00e4den nicht zu schlie\u00dfen, weil geistige Nahrung ja auch ein Lebensmittel ist. \u201eBitte bringen Sie mir aktuelle B\u00fccher\u201c, bat mich eine Antiquarin. \u201eIch habe nichts mehr, alles geht weg wie warme Semmeln.\u201c Und ich freute mich f\u00fcr die kurdischen Sp\u00e4tverkaufs-Besitzer, die von Corona profitierten. Wenigstens diese Kurden waren mal auf der Gewinnerseite.<\/p>\n\n\n\n<p>Corona-Berlin war magisch. Die Stra\u00dfen von Autos befreit, im Himmel kein einziger Kondensstreifen. Die Gegenwart hielt f\u00fcr einen Moment inne, bevor sie langsam wieder Fahrt aufnahm. Dass die Zeitblase zu platzen begann, merkte ich an der Verschiebung der Schlie\u00dfung des Flughafens Tegel. Das tat mir leid f\u00fcr meine Mutter, die im benachbarten Bezirk Spandau auf das Ende des jahrzehntelangen Turbinenl\u00e4rms wartet. Ich wiederum begann, Hoffnung zu sch\u00f6pfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Anfang Juni sendete die Regierung in Nikosia Signale, dass die Airports bald ge\u00f6ffnet w\u00fcrden. Aber Fl\u00fcge zu buchen, war wie ein Videospiel, dessen Regeln man nicht kennt. Sie wurden online gelistet, verschwanden dann wieder geisterhaft von den Webseiten der Airlines.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In Quarant\u00e4ne<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Endlich entschied die Regierung, ab dem 20. Juni alle Beschr\u00e4nkungen f\u00fcr Anreisende aus L\u00e4ndern der \u201eNiedrigrisiko\u201c-Kategorie A wie Deutschland, \u00d6sterreich oder Norwegen fallen zu lassen. Kategorie B sind zwielichtige L\u00e4nder wie Belgien, Spanien oder Rum\u00e4nien, deren Bewohner nur mit aktuellem negativem Testzeugnis kommen d\u00fcrfen. Reisende aus \u201eHochrisikol\u00e4ndern\u201c der Kategorie C m\u00fcssen 14 Tage in strenge Quarant\u00e4ne. Dazu z\u00e4hlen noch immer die wichtigen zyprischen Urlauberherkunftsstaaten Russland, Israel und Schweden, weshalb man in Nikosia gr\u00fcbelt, wie man die Touristen einfliegt, ohne ein Infektionsdesaster anzurichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum hatte ich einen Flug gebucht, der online nicht wieder erlosch, geschah der gr\u00f6\u00dfte anzunehmende Unfall. In meiner Wohngemeinschaft begann jemand zu husten. Er bekam Fieber. Am dritten Tag lie\u00df er sich testen, Ergebnis: positiv. Der Mitbewohner war ein junger Mann ohne die geringste Vorerkrankung. Schon am zweiten Tag sah er gar nicht mehr gut aus: grau im Gesicht und eingefallen. Als zwei \u00c4rzte kamen und nach ihm schauten, wiegelten sie ab: \u201eIn einer Woche ist er wieder putzmunter. Corona ist normalerweise keine schwere Krankheit. Und er ist ja jung.\u201c Sie sollten recht behalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir anderen im Haushalt waren besorgt. Desinfizierten alle Klinken, T\u00fcrrahmen und die K\u00fcche, verst\u00e4ndigten uns nur noch per Klopfzeichen, versuchten, jede Begegnung im Flur zu vermeiden und rissen alle Fenster zwecks Durchzugs auf. \u00c4ngstlich horchten wir auf jedes Husten und achteten auf Anzeichen einer Ansteckung. Zum Gl\u00fcck war da nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Reisepl\u00e4ne konnte ich vergessen. Das Gesundheitsamt kommunizierte mit uns nicht etwa per E-Mail, sondern per Brief. Es verurteilte uns zu zwei Wochen Hausquarant\u00e4ne. Wir durften nicht mal die Post aus dem Briefkasten holen oder M\u00fcll runterbringen. Wir waren komplett auf die Hilfe der Nachbarn angewiesen \u2013 die das total gut machten. Unterdessen stieg unser Aggressivit\u00e4tslevel. Arrest in zwei R\u00e4umen, auch wenn es die eigenen sind, ist keine sch\u00f6ne Erfahrung. \u201eIch kann verstehen, dass es hart ist, gerade bei dem tollen Wetter\u201c, sagte die Frau vom Gesundheitsamt am Telefon.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Corona-Schock<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Neidisch blickte ich durchs Fenster hinunter auf das Treiben in Restaurants und Caf\u00e9s, die ihre Tische im Freien platzierten. Doch w\u00e4hrend die Leute drau\u00dfen feierten, gerieten sie in Panik, sobald sie von unserem Coronakranken h\u00f6rten. Wir waren Auss\u00e4tzige. So f\u00fchlte es sich an, als wir m\u00f6gliche Kontaktpersonen verst\u00e4ndigten. \u201eUnglaublich, ich dachte, Corona ist weit, weit weg\u201c, sagte eine Freundin fassungslos am Telefon. \u201eEs ist der Schock, dass wir sterblich sind\u201c, bemerkte ein Mitbewohner.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Quarant\u00e4nekontrolle war streng. Jeden zweiten Tag riefen Mitarbeiter des Gesundheitsamts an. \u201eWie geht es Ihnen heute? Haben Sie Fieber? Werden Sie versorgt?\u201c Wir wurden sogar zweimal \u2013 negativ &#8211; getestet. Sie waren sehr besorgt um uns.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit einer Ausnahme: Der einzige Kranke bekam nie Anrufe vom Amt. Niemand wollte wissen, wie es ihm ging. Niemanden interessierte, ob er Fieber hatte. Daf\u00fcr durfte er drei Tage fr\u00fcher die Quarant\u00e4ne beenden und uns fortan mit Bier, Erdbeeren oder Eiscreme versorgen. Er musste nur \u201eJa\u201c sagen, als man ihn fragte, ob er wieder gesund sei, getestet wurde er nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich die Dame vom Amt um eine Erkl\u00e4rung bat, erwiderte sie im Beh\u00f6rdendeutsch: \u201eEr hat sich fr\u00fcher als Sie infiziert, falls er Sie infiziert hat, deswegen darf er fr\u00fcher aus der Quarant\u00e4ne. Wie mit ihm weiter verfahren wird, wissen wir nicht. Das macht die Kontrollabteilung.\u201c Nach kurzer Pause r\u00e4umte sie ein: \u201eTja, manches, was wir hier tun, ist wirklich schwer zu erkl\u00e4ren.\u201c Wir z\u00e4hlten die Stunden bis zur Freiheit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Legend\u00e4rer Flughafen Tegel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Tage nach Quarant\u00e4ne-Schluss sa\u00df ich im Taxi zum Flughafen Tegel. Als geborener West-Berliner habe ich den alten Airport, unser Fenster zur Welt, immer geliebt. Fliegen war cool, als es die Sicherheitschecks noch nicht gab und man in der Kabine noch rauchen durfte. Sp\u00e4ter, als Auslandskorrespondent, wurden Flugreisen etwa so normal wie Bahnfahren. Aber dieser Tag in Tegel f\u00fchlte sich aufregend an, als w\u00e4r\u2019s das erste Mal. Oder das letzte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die letzten Tage des legend\u00e4ren Flughafens ist viel geschrieben worden. Weil der Check-In diesmal so schnell ging, blieb Zeit, das ber\u00fchmte Hexagon des Terminals A noch einmal in Ruhe abzulaufen und mit der Kamera festzuhalten. Ich liebe leere Flugh\u00e4fen, weil ihre einsamen G\u00e4nge und die technoide M\u00f6blierung auf Fotos wie in Sci-Fi-Filmen wirken. Aber noch nie erschien mir ein fast verlassener Airport so retrofuturistisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Drau\u00dfen, an den Abflugr\u00fcsseln, bl\u00e4tterte hochsymbolisch die orangenefarbene Werbung f\u00fcr den Autovermieter Sixt ab, die mit dem Pfeil nach links \u201eKerosin\u201c und dem nach rechts \u201eAdrenalin\u201c verhie\u00df. Drinnen herrschte eine elegische Stille, nur von Durchsagen unterbrochen, die zum Abstandwahren, H\u00e4ndewaschen und Einhalten \u201eder Mund-Nase-Maskenpflicht\u201c aufriefen. Es gab auch Menschen. Kleine Passagierklumpen vor den wenigen ge\u00f6ffneten Gates. Polizisten mit Gesichtsmasken, die vorsichtig durch die G\u00e4nge mit ihren abgewetzten Sitzen patrouillierten. Alle Airline-Schalter, Reiseb\u00fcros und Gesch\u00e4fte waren dicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher starteten t\u00e4glich mehr als 500 Flieger in Tegel. Jetzt waren es noch zwanzig. Seltsam nur, auf allen Bildschirmen lief Werbung f\u00fcr die Ausbildung zum Fluglotsen. Ist Fluglotse jetzt echt noch ein Beruf mit Zukunft, dachte ich?<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Corona-Gr\u00fcnden hatte ich strengere Checks als fr\u00fcher an der Gep\u00e4ckkontrolle erwartet, aber alles war wie immer, sogar etwas freundlicher, mit Nostalgie-Bonus sozusagen. Die Maschine ist ausgebucht, s\u00e4mtliche Mittelpl\u00e4tze besetzt, und niemand lacht bei der Durchsage: \u201eBitte achten Sie darauf, immer 1,50 Meter Sicherheitsabstand zu Ihren Mitpassagieren einzuhalten &#8211; soweit m\u00f6glich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Frischluft und Aerosole<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich machte mich so d\u00fcnn wie m\u00f6glich, um K\u00f6rperkontakt mit dem balkanischen Riesen neben mir zu vermeiden. Als w\u00e4hrend des Flugs Wasser und Kaffee gereicht wurden, f\u00fchlten sich praktisch alle Mitreisenden animiert, ihre Masken unters Kinn zu ziehen und Aerosole durch die Gegend zu pusten. Die Flugbegleiter interessierte es nicht. Niemand drehte die Luftd\u00fcsen \u00fcber dem Sitz auf, damit frische Luft einstr\u00f6mt und ausreichend ausgetauscht wird. Dabei waren 50 Prozent der Passagiere Grausch\u00f6pfe aus der Risikogruppe. Zum Gl\u00fcck hustete keiner. Ich trug eine FFP-2-Maske, aber f\u00fchlte ich mich sicher? Nicht wirklich.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem wir die Parkposition in Wien erreicht haben, konnte ich es kaum glauben. Niemand stand auf, um sein Handgep\u00e4ck aus den Ablagen zu holen. Alle folgten den Anweisungen. \u201eSie haben das System kapiert!\u201c, sagte das Kabinenpersonal. Im Flughafen standen, anders als in Tegel, \u00fcberall Desinfektionsmittelspender. Schilder und Aufkleber auf dem Boden erinnerten an den Sicherheitsabstand, der hier 50 Zentimeter weniger betr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch beim Anschlussflug nach Larnaka war die Maschine bis auf den letzten Platz gef\u00fcllt. Diesmal hatte einen Mittelplatz, obwohl ich mich zu erinnern meine, beim Online-Check-In einen Fenstersitz gew\u00e4hlt zu haben. Ich kann nicht sagen, dass der Flug Spa\u00df machte. Spa\u00df macht Fliegen in der Holzklasse sowieso nicht. Aber drei Stunden mit FFP-2-Maske unter dem eiskalten Luftstrom ohne einen Schluck zu trinken \u2013 ich verstand alle, die sich das Ding vom Gesicht rissen und einen Becher Wasser nahmen. Doch der Preis daf\u00fcr kann hoch sein \u2013 f\u00fcr die Mitreisenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben mir sa\u00df ein Wiener Flugbegleiter auf dem Weg zu einem Einsatz. Beim Covid-19-Test in Larnaka fragte ich ihn, wie oft er die Prozedur schon durchgemacht habe. \u201eDreimal in den letzten f\u00fcnf Tagen\u201c, sagt er und verdrehte die Augen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zypern ist sicher<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Freiheitsgl\u00fcck \u201e\u00fcber den Wolken\u201c, wie im Lied von Reinhard Mey, das war einmal. Jetzt bin ich froh, als alles vorbei ist und denke dar\u00fcber nach, wie sich Vielfliegen in Zukunft vermeiden l\u00e4sst. Zypern soll n\u00e4chstes Jahr ja endlich wieder eine F\u00e4hrlinie nach Athen bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>In Larnaka betr\u00e4gt der Sicherheitsabstand zwei Meter. In der Ankunftshalle, wo sonst Reisegruppen wuseln, sammelt eine TUI-Frau f\u00fcnf Touristen um sich. Von den Mietwagenschaltern ist nur einer besetzt. Die Luft aus der Klimaanlage ist eiskalt. Drau\u00dfen brennt die Mittelmeersonne. Wer es bis hierher geschafft hat, kann nun also Ferien machen. Falls keine Quarant\u00e4ne oder Maskenpflicht dazwischenkommt &#8211; wie dieser Tage in Katalonien, wo mein Bruder gerade urlaubt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter erz\u00e4hlt mir ein zyprischer Bekannter, dass seine Schwester am Flughafen Dienst tut. \u201eSie testen wirklich jeden einzelnen Passagier!\u201c. Das haben sie zwei Wochen durchgehalten. Inzwischen landen wieder 50 Flugzeuge t\u00e4glich. Jetzt testen sie nur noch in Stichproben. Noch kann man die t\u00e4glichen Neuinfektionen an einer Hand abz\u00e4hlen. Noch ist Zypern vermutlich der sicherste Ferienort im ganzen Mittelmeerraum. Noch.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 1. August wurde Gro\u00dfbritannien in die Kategorie B eingestuft. Die Zahl roth\u00e4utiger Briten hat sich seither signifikant erh\u00f6ht. Obwohl sie wissen, wie sehr ihre Wirtschaft am Tourismus h\u00e4ngt, haben viele Zyprioten dabei sehr gemischte Gef\u00fchle. Ich f\u00fchle mit ihnen. Von mir aus h\u00e4tten die Engl\u00e4nder gern noch eine Weile auf ihrer eigenen Insel bleiben k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gru\u00df aus der Levante. Notizen aus dem \u00f6stlichen Mittelmeerraum An dieser Stelle setze ich mein Blog &#8222;Gru\u00df vom Bosporus&#8220; fort, das ich sieben Jahre lang aus Istanbul gef\u00fchrt habe. R\u00fcckkehr nach Zypern Von Frank Nordhausen, Mitte Juli 2020 Airport Larnaka auf Zypern: Als zwei Zubringerbusse uns an einem unscheinbar grauen Geb\u00e4ude abliefern, werden wir von &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/franknordhausen.com\/?page_id=23\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eBlog\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-23","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/franknordhausen.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/23","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/franknordhausen.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/franknordhausen.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/franknordhausen.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/franknordhausen.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=23"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/franknordhausen.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/23\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":311,"href":"https:\/\/franknordhausen.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/23\/revisions\/311"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/franknordhausen.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=23"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}